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Das Jugendamt der Zukunft - "Mädchen für alles" oder "Restjugendamt"?

Bericht zur Veranstaltung "Das Jugendamt der Zukunft - "Mädchen für alles" oder "Restjugendamt"?

Tagung, Berlin, 15.-16.04.2010

Zu dieser etwas provozierenden Fragestellung hatte die Arbeitsgruppe Fachtagungen Jugendhilfe im Deutschen Institut für Urbanistik am 15./16. April 2010 Leiter/innen von Jugendämtern und ASDs nach Berlin eingeladen und im Rahmen einer Fachtagung mit ihnen gemeinsam über das Aufgabenprofil, die Organisation und das Selbstverständnis des Jugendamts der Zukunft debattiert.

Das Jugendamt als Kompetenzagentur für Entwicklungsförderung?

Um es gleich vorweg zu nehmen: Das „Restjugendamt“ kam eher selten vor, eigentlich drehte sich alles um die Frage: „Das Jugendamt der Zukunft – ein Mädchen für alles?“. So lautete auch der Titel des Einführungsvortrages, der von Ministerialrat Prof. Dr. Dr. Reinhard Wiesner, Leiter des Referates Kinder- und Jugendhilferecht im Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend gehalten wurde. Sein Vortrag umfasste folgende Schwerpunkte:

  • Das Jugendamt feiert Geburtstag,
  • Das Jugendamt als kommunale Organisationseinheit,
  • Das Jugendamt und der Perspektivenwechsel durch das KJHG,
  • Das Jugendamt und die Föderalismusreform,
  • Quo vadis Jugendamt?


Ministerialrat Prof. Dr. Dr. h.c. Reinhard Wiesner, Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, Berlin: "Das Jugendamt - ein 'Mädchen für alles'? Was sagt das KJHG? Ein Statement vom 'Architekten' des Kinder- und Jugendhilfegesetzes"


Ich will mich bei diesem Bericht auf den letzen und für unsere Tagung wichtigsten Punkt beschränken. Was hieß mit den Worten von Herrn Prof. Wiesner „Quo vadis Jugendamt?“ Er sagte, dass die Jugendämter mit dem quantitativen Ausbau der Kindertagesbetreuung und der stärkeren Förderung der qualitativen Seite: „Erziehung und Ausbildung“ ein großes Aufgabenpaket zu bewältigen habe. Mindestens genauso wichtig sei der Kinderschutz, der sich zwischen Willkommensbesuchen und Krisenintervention bewege. Hier müsse man mittlerweile aufpassen, dass nicht alle Aufgaben des Jugendamtes im Hinblick auf Kinderschutz funktionalisiert werden, und sich fragen, in welche Rolle ein Jugendamtsmitarbeiter kommt, wenn er mit einem Begrüßungspaket vor der Tür junger Eltern steht. Sei dies mittlerweile nicht zugleich auch immer als eine Form von „vorgelagerter Kontrolle“ zu verstehen? Ein bisschen aus dem Blick geraten zu sein scheinen hingegen die älteren Kinder und Jugendlichen. Hier dürfe sich bei Problemen nicht ein allgemein akzeptiertes Verständnis entwickeln, dass diese dann mehr ein Fall für die Justiz als für die Jugendhilfe sind. In diesem Zusammenhang stellte Prof. Wiesner die Frage, ob die Kinder- und Jugendhilfe gerade einen „rollback“ erlebe und auf dem Weg in eine Polizei- und Ordnungsverwaltung sei („die strenge Frau vom Jugendamt …“). Seinem Empfingen nach sei die Jugendhilfe auf der Suche nach einem neuen Image, das sowohl intern als auch öffentlich noch nicht wirklich klar zu sein scheint. Welche Optionen für das Jugendamt der Zukunft gibt es? Herr Wiesner nannte die folgenden drei Varianten:

  • Das Jugendamt als Kompetenzagentur für Entwicklungsförderung,
  • Zusammenführung mit der Schulverwaltung ("kommunale Bildungslandschaften",
  • Das Jugendamt in enger Kooperation mit Gesundheitsdienst und Arbeitsagentur.

Eine Behörde, die in der Mitte sitzt ...
Wie stellt sich das heutige Jugendamt das Jugendamt der Zukunft vor?

Beim „Treffen der Generationen“ diskutierten „alte“ und neue Architekten der Kinder- und Jugendhilfe darüber, wie sie ihr Amt gestaltet haben bzw. gestalten würden. Interessant an diesem Treffen der Generationen waren in diesem Fall weniger die Antworten auf die Fragen, die Dr. Siegfried Haller, Leiter des Jugendamtes Leipzig, als Moderator dieser Tagung stellte, sondern die neuen Fragen, die sich aus den Antworten entwickelten:

  • Wie reagieren wir auf Anforderungen, die von außen an uns gestellt werden?
  • Warum lassen wir uns (von außen) definieren?
  • Was ist, wenn Kooperationspartner des Jugendamtes mit dem Jugendamt drohen?
  • Wie sieht es mit dem politischen Gestaltungsauftrag des Jugendamtes aus? - Hypothek oder Chance? Opferrolle oder Gestaltung?
  • Wofür steht das Jugendamt? Was ist seine Agenda? Was soll gestaltet werden, was nicht?
  • Wo ist das Selbstbewusstsein des örtlichen Jugendamtes?
  • Was ist professionelle Sozialarbeit?


Prof. Dr. Holger Ziegler, Universität Bielefeld; Norbert Schweers, Jugendamt Potsdam; Dr. Siegfried Haller, Jugendamt Leipzig; Cornelia Scheplitz, Jugendamt Frankfurt (Oder); Bruno Pfeifle, Jugendamt Stuttgart; Kay Biesel, Bundesmodellprojekt des BMFSFJ "Aus Fehlern lernen: Qualitätsmanagement im Kinderschutz", Berlin


Bezogen auf letzteres sagten Prof. Dr. Holger Ziegler, Universität Bielefeld, und Kay Biesel vom Bundesmodellprojekt "Aus Fehlern lernen. Qualitätsmanagement im Kinderschutz", dass durch die „neue Steuerung“ eine Entfachlichung stattgefunden habe, gleichzeitig sei die Jugendhilfe strukturell unterfinanziert und programmatisch überfrachtet. Die Aufgabenliste des Jugendamtes sei ein Nirwana. Man nehme zu viele Aufgaben „Top down“ entgegen (Frühe Hilfen, Qualitätsentwicklungsprojekte etc.) Gerade mit einer begrenzten Laufzeit versehene Programme seien konjunkturell bedingte Flickenteppiche. Das Jugendamt sei auch ein Kinderschutzamt, dessen Mitarbeiter/innen die verantwortungsvolle Arbeit von Piloten verrichten, aber nicht so bezahlt werden. Arbeit im Bereich „Kinderschutz“ sei Hochrisikoarbeit und gerade hier dürfe nicht passieren, dass häufig die Mitarbeiter/innen wechseln. Was könnte die Lösung sein? Ein selbstbewusstes Jugendamt, das klarstellt, Jugendhilfe ist viel mehr als ein „Sich mit den Gestrauchelten befassen“, wie es Cornelia Scheplitz formulierte. Die Kinder- und Jugendhilfe sollte nicht als Lückenbüßer die Aufgaben übernehmen, die andere Systeme nicht bewältigt haben. Also nicht das Mädchen für alles sein.

... sich nicht von anderen mit Problemlösungserwartungen überziehen lassen

Prof. Dr. Joachim Merchel, Fachbereich Sozialwesen, Fachgruppe Organisation und Management, Fachhochschule Münster, hatte den Auftrag, das Tagungsthema aus wissenschaftlicher und gesellschaftspolitischer Perspektive zu beleuchten und nach den Erfordernissen sein „Jugendamt der Zukunft“ zu bauen. Herr Prof. Merchel begann seinen Vortrag mit der Bemerkung, dass (die Gestaltung von) Zukunftsperspektiven strategisches Management ist und in diesem Kontext gelte es – sozusagen als Prävention vor Überraschungen – die Beobachtungsfähigkeit der Organisation zu erhöhen. Dies bedeute zugleich ein Eindringen des Managementdenkens in die soziale Arbeit. Hier „fremdelt“ die Jugendhilfe nicht mehr ganz so sehr und hat sich mittlerweile auch mit dem Sprachgebrauch etwas vertraut gemacht. Wie nun könnte das strategische Management für das Jugendamt der Zukunft aussehen? Beobachtungen sollten aus der Zufälligkeit herausgeholt werden und genau hinterfragt werden: Was soll beobachtet (und ggf. auch kritisiert und überdacht) werden? Er gliederte seinen Vortrag in folgende Punkte:

  1. Gesellschaftliche Anforderungen und Erwartungen (Umfeldanalyse I),
  2. fachinterne Entwicklungen in der Kinder- und Jugendhilfe (Umfeldanalyse II),
  3. Management-Situation des Jugendamtes (Organisationsanalys).


"Die neue Architektur des Jugendamtes der Zukunft - gestaltet nach gesellschaftspolitischen Erfordernissen und wissenschaftlichen Erkenntnissen": Prof. Dr. Joachim Merchel, Fachhochschule Münster


Zu den gesellschaftliche Anforderungen und Erwartungen lässt sich festhalten, dass Jugendhilfe durch das Eingangstor zu den anderen Bereichen (z.B. Schule, Pädiatrie) gegangen ist und nun vor der Frage steht, wie eine gute Zusammenarbeit gelingen kann. Jugendhilfe muss hier ihr eigenes Profil definieren und sich nicht von anderen mit Problemlösungserwartungen überziehen lassen (Anspruchs-Steuerungs-Spirale). Was bedeutet das? Die Präsentation der Steuerung des Handelns der Jugendämter nach außen erzeugt die Erwartung, dass die Jugendämter alles im Griff haben. Passiert dann (doch) ein „Fall“, ist die öffentliche Enttäuschung groß. An diesem steigenden Steuerungsdruck können Jugendämter nur scheitern. Weitere Kinderschutzgesetze drehen nur noch weiter an dieser Anspruchs-Steuerungs-Spirale, bringen aber keine Lösung.
Bei seinen Ausführungen zu den fachinternen Entwicklungen in der Kinder- und Jugendhilfe erinnerte Prof. Merchel an Ingrid Mielenz, die bereits 1978 den Einmischungsauftrag für die Kinder- und Jugendhilfe formulierte. Nebenfolgen dieses Einmischungsauftrages seien eine massive Überforderung der ideologischen und personellen Ressourcen der Jugendhilfe und mangelnde organisationssensible Kooperationskonzepte. Bei divergenten Anforderungen wird (in der Wirtschaft) eine Profilbildung empfohlen, um eine Marke zu werden, die von der Umwelt auch identifiziert wird (kein Gemischtwarenladen). Dafür braucht es aber auch eine Antwort auf die Frage: Wofür sind wir zuständig, Komplexitätsausweitung und Komplexitätsbefreiung?
Mit Blick auf Punkt 3, die Management-Situation des Jugendamtes, empfiehlt Herr Prof. Merchel die Installierung eines systematisierten Beobachtungssystems. Was bedeutet in diesem Zusammenhang organisatorische Lernfähigkeit? Das sei bewusst herbeigeführte Destabilisierung und damit ein Herausholen aus alten Routinen wie „das haben wir schon immer so gemacht“. Dies ist die Aufgabe der Jugendhilfeplaner, die eine inhaltliche Führungsfunktion haben. Und Jugendhilfeplaner als Zentrum der Denkfabrik seien immer dann gut, wenn sie stören. Die Abschlussthese von Herrn Prof. Merchel lautet, dass es auf die innere Organisationsgestaltung, die Organisationskultur und das Personalmanagement ankomme. Aber dies sei eine Aufgabe für die Innenarchitekten, nicht für die Bauingenieure.

Die neue Architektur des Jugendamtes der Zukunft - gestaltet von der kommunalen Praxis

Unter dieser Überschrift wurde in zwei Foren (Städtische Jugendämter und Jugendämter aus Landkreisen) über Aufgabenprofil, Schnittstellen, Ressourcen und Perspektiven des „Jugendamtes der Zukunft“ sowie über eine engere Vernetzung von Jugendamt, Schulamt, Kinder- und Jugendgesundheitsdienst, Jobcenter, Familiengericht und Psychiatrie diskutiert. Hier sagte Herr Dr. Haller, dass Kinder- und Jugendhilfe ein starker Motor für lebenswerte Kommunen ist. Ein Teilnehmer ergänzte, seine Vision eines erweiterten Jugendamtes sei ein Fachbereich für Kinder, Familie und Senioren, der dem demographischen Wandel Rechnung trägt, auch wenn dies nun gerade auf die beiden Städte, die im Forum ihre Strategien und Visionen vorgestellt haben, Potsdam und Leipzig, nicht zutreffe. Bei der Berichterstattung aus den AGs kam dann im Zusammenhang damit auch noch einmal die Frage auf, was Erfolgskriterien für wachsende Kommunen sind. Was in den Foren von den beiden oben genannten Städten und den Landkreisen Freising und Nordfriesland vorgestellt wurde, ist in der Dokumentation zu dieser Tagung nachzulesen.


Die neue Architektur des Jugendamtes der Zukunft - gestaltet von der kommunalen Praxis. Ergebnispräsentation aus den Foren "Städtische Jugendämter" und "Jugendämter in Landkreisen": Dr. Herbert Wiedermann, Landesjugendamt Hamburg; Dr. Siegfried Haller, Jugendamt Leipzig; Klaus Ruffing, Jugendamt Saarpfalz-Kreis


Wie machen es die Anderen?

Der zweite Arbeitstag begann mit einem Vortrag von Dott. Eugenio Bizzotto, Direktor des Landesamtes für Familie, Frau und Jugend in Bozen und seiner Kollegin Petra Frei, die dem Plenum die Jugendhilfestrukturen in Italien und insbesondere auch in Südtirol vorstellten. Alle familienbezogenen Hilfeleistungen werden von territorialen öffentlichen Sozialdiensten erbracht, die sich sowohl um die Kindertagesbetreuung als auch um die Begleitung und Planung familiärer Anvertrauungen (Pflegekinderwesen) kümmern. Im Jahr 2000 gab es eine Föderalisierung der Sozialpolitik in Italien. Bis dahin wurden freie Träger kaum wahrgenommen, die ab diesem Zeitpunkt aber besser in die Jugendhilfe integriert wurden. In Italien ist für diese Aufgaben die Berufsgruppe der Sozialassistent/innen zuständig. Diese sind allerdings nicht nur für den Schutz Minderjähriger, sondern auch für andere Personengruppen zuständig und unterliegen einem deontologischen Verhaltenskodex (Berufskammer), der die Wahrung der Bürgerrechte und nicht den Schutz der Sozialassistenz/innen zum Inhalt hat.


Dott. Eugenio Bizzotto, Landesamt für Familie, Frau und Jugend, Bozen; Petra Frei, Abteilung Familie und Sozialwesen der Autonomen Provinz Bozen-Südtirol


Das (Berliner) Musterjugendamt

Die Berliner Jugendhilfe handelte nur noch reaktiv und die Berliner Haushaltssituation war (und ist) schlecht. Das war – kurz gefasst – der Grund und die Motivation der Berliner Senatsverwaltung, sich bei einer Beratungsfirma Hilfe zu holen und diese Studie bei Steria Mummert Consult in Auftrag zu geben, wie Volker Brünjes, Leiter der Arbeitsgruppe Gesamtjugendhilfeplanung, Senatsverwaltung für Bildung, Wissenschaft und Forschung, Landesjugendamt Berlin, erklärte. Als Ergebnis dieser Beratungen wurden ein Leitbild für das (Muster)Jugendamt, ein an Stuttgart orientiertes Fachkonzept zur Sozialraumorientierung entwickelt und ein Projekt zur „Personalausstattung eines sozialräumlich organisierten Jugendamtes“ durchgeführt. Das dazugehörige Gutachten ist im Internet nachzulesen und hat insgesamt 310 Seiten, von denen auf den ersten 140 Seiten die Berliner Ausgangslage detailliert beschrieben wird und das im Weiteren das Aufgabenspektrum des Musterjugendamtes enthält. Letzteres stellte Holger Schulze, Mitarbeiter von Steria Mummert Consult, auf der Tagung vor. Die Ergebnisse dieser Studie werden in Berlin und wurden auf dieser Tagung kontrovers diskutiert. Er sagte, mit dem Leitbild Jugendamt solle deutlich gemacht werden, dass sich die Berliner Jugendämter vor allem auf die Aufgaben der Planung, Gewährleistung und Steuerung konzentrieren sollen. Explizit werde im Leitbild aber auch darauf hingewiesen, dass die Berliner Jugendämter weiterhin eine sozialpädagogische Fachbehörde sein sollen. Es ginge also nicht darum, die Jugendämter auf eine reine Finanztransferinstitution zu reduzieren. Heftige Reaktionen habe vor allem der Vorschlag ausgelöst, die Jugendfreizeiteinrichtungen (JFE) auszugliedern und an freie Träger zu übergeben. Hierzu sei festzustellen, dass dieser Vorschlag Teil des Berliner Leitbildes Jugendamt ist und Steria Mummert daran orientierte.


"Die neue Architektur des Jugendamtes der Zukunft - gestaltet von einer Beratungsfirma": Volker Brünjes, Senatsverwaltung für Bildung, Wissenschaft und Forschung, Landesjugendamt Berlin; Dr. Siegfried Haller, Jugendamt Leipzig; Holger Schulze, Steria Mummert Consulting, Berlin


Eine Abteilung für Spaß und eine Abteilung für harte Arbeit? So kommentierte (oder kritisierte) in der anschließenden Diskussion ein Teilnehmer die Vorgehensweise, Sozialraumgestaltung und Fallbearbeitung zukünftig zu trennen. Es sei doch klar, dass diejenigen, die die Fälle bearbeiten, am besten wüssten, wie der Sozialraum gestaltet werden kann. Und es wäre erstaunlich, wenn die Bürger/innen dieses Organisationsmodell verstehen würden.

"Vom Kind aus denken..."

Unter der Überschrift „Ein neues Leitbild für das Jugendamt der Zukunft“ stellte Dr. Maria Kurz-Adam, Leiterin des Jugendamtes München, Eckpunkte zu den Alleinstellungsmerkmalen und dem zukünftigen Profil des Jugendamtes vor.


Abschlussvortrag: "Ein neues Leitbild für das Jugendamt der Zukunft? Eckpunkte zu den Alleinstellungsmerkmalen und zum zukünftigen Profil des Jugendamtes" - Dr. Maria Kurz-Adam, Jugendamt München


Als Schlüsselherausforderungen definierte sie Bildung und Jugendhilfe, Kinderschutz und die Wiederkehr des Subjekts und der Wirkungsorientierung in der Kinder- und Jugendhilfe. Letzteres sei der Prüfstein des Sozialen in der Kinder- und Jugendhilfe. Mit der Frage des „richtigen“ Kinderschutzes sei Unruhe in das Selbstverständnis der Kinder- und Jugendhilfe gekommen, weil damit die Qualität und der Stellenwert der Arbeit am Subjekt auf den Prüfstand gekommen sind. Es dürfe nicht sein, dass im Vordergrund des Denkens oftmals stehe, wie ich mich als Mitarbeiter/in des Jugendamtes schütze und nicht zuerst, wie schütze ich das Kind, und dass viel über Familien(probleme) und Kinder geredet werde, aber nicht mit den Familien. Das Schöne am SGB VIII seien die darin festgeschriebenen qualitativen Elemente wie z.B. das Partizipationsprinzip. Sie plädierte dafür, dass Biografien von Kindern systemunabhängig begleitet werden sollten. Übergänge seien oftmals institutionell erzeugte Lebensprobleme in den Biografien der Kinder. Wichtig sei, vor allem im Beschleunigungssektor Bildung, die Kindheit zu bewahren. Fragt man Kinder, wünschen sich diese von ihren Eltern vor allem Zeit, Geduld und Ruhe. Und was sollte sich das Jugendamt von den Eltern wünschen? Dass Eltern sagen: Ich will meine Lebenssituation verbessern und diese Behörde hilft mir dabei. Die Nähe zur Familie sei das unbestreitbare hohe Potenzial der Kinder- und Jugendhilfe, denn kaum ein Leistungssystem vermag sich so der Intimität des Familienlebens anzunähern.

Kerstin Landua
Leiterin der Arbeitsgruppe Fachtagungen Jugendhilfe im Deutschen Institut für Urbanistik
Kontakt: landua@difu.de

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zuletzt geändert am 25.08.2008 - Kontakt: webmaster@fachtagungen-jugendhilfe.de - Impressum