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Das Jugendamt im Spiegel der Medien. Hilfen und Hinweise im Umgang mit Medien/Krisenmanagement

Fachtagung, Berlin, 23.-24.04.2009

Fachtagung ausschließlich für Leiterinnen und Leiter von Jugendämtern + ASD sowie Mitarbeiter/innen für Öffentlichkeitsarbeit in Jugendämtern


Das Bild schwankt zwischen "tatenlos" und "böse"

Ich arbeite seit vielen Jahren im Jugendamt und ärgere mich unendlich über die Unseriösität der Berichterstattung. Wie Sie schon sehr richtig in Ihrem Beitrag erwähnen, ist der Druck auf die Jugendämter auch durch die Berichterstattung der Medien sehr angestiegen. Entweder ist das Jugendamt so böse, Familien auseinander zu reißen, oder es handelt gar nicht - so vereinfacht stellt sich das Bild der Ämter in den Medien dar.

Dass Sie den Namen der Mitarbeiterin abdrucken, finde ich schockierend und unglaublich. Jeder Mörder oder Tatverdächtige wird durch Initial geschützt. Eine Sozialarbeiterin, die möglicherweise, wie viele Menschen in ihrem Beruf auch, einmal einen Fehler gemacht hat, genießt diesen Schutz nicht und kann wohl ihren Beruf an den Nagel hängen, da ihre Klienten sie nicht mehr ernst nehmen werden. Und das auch, wenn sich herausstellen sollte, dass sie richtig gehandelt hat.

Vielleicht würdigen Sie diese ziemlich schwierige und dabei horrend unterbezahlte Arbeit ja auch einmal. Es würde meinen Berufsstand sehr freuen. Viele Familien finden in den Jugendämtern Hilfe und Unterstützung und erkennen diese auch an.

Leserbrief von Kerstin Werner in der Berliner Zeitung vom 1. April 2006 zum Artikel "Druck auf Jugendämter sehr gewachsen"

Die Berichterstattung der Medien über Jugendämter hat sich in den letzten Jahren gewandelt und ist "aggressiver" geworden. Dies hängt sicherlich u.a. damit zusammen, dass zu Tode gekommene Kinder wie Kevin oder Lea-Sophie große Betroffenheit in der Bevölkerung auslösen und dieses emotional hoch besetzte Thema Kinderschutz - eng verknüpft mit der Frage nach der Rolle des Jugendamtes - auf großes öffentliches Interesse stößt. Gleichzeitig haben viele Jugendämter noch Vorbehalte gegenüber Medienvertreter/innen, insbesondere der Boulevardpresse, und es fehlt manchmal das Verständnis dafür, wie die Presse "tickt".

Im Hinblick darauf stellen sich für die praktische Arbeit viele Fragen:

  • Wie kann sich Jugendhilfe auf verstärktes "mediales Interesse" einstellen, wie kann sie souverän darauf reagieren und selbstbewusst(er) damit umgehen? Wo sind Grenzen gesetzt, wo werden Krisen medial inszeniert, wo wird bewusst skandalisiert?
  • Was ist, wenn ein Krisenfall eintritt, und wie verhalte ich mich dann in der Kommunikation nach innen und außen? Wie unterstützt die Leitungsebene die Kolleg/innen "nach innen"?
  • Was ist, wenn ich souverän und selbstbewusst aufgetreten bin, ich aber kurz danach eine schwere Krisensituation im Amt habe? Sind dem Selbstbewusstsein von Jugendämtern per se Grenzen gesetzt?
  • Wer informiert wen wann amtsintern? Gibt es einen "Plan", wie amtsintern die Kolleg/innen von der Leitungsebene informiert werden (und ggf. umgekehrt), wenn Krisensituationen eintreten? Notwendig sind Regeln oder Standards für die Kommunikation (zuerst) nach innen und (dann) nach außen.
  • Wie weit ist der Bereich "Öffentlichkeitsarbeit" in der Jugendhilfe überhaupt entwickelt? Gibt es in Jugendämtern Verfahrensweisen, wie kontinuierliche Öffentlichkeitsarbeit gemacht wird (bzw. werden sollte)? Wie wird Kontakt mit der Presse gehalten? Was ist geeignet, um gute Pressearbeit unabhängig von Krisen "hinzukriegen"? Brauchen Mitarbeiter/innen in Jugendämtern Fortbildung im Bereich "Öffentlichkeitsarbeit?

Diese Tagung richtet sich ausschließlich an Leiter/innen von Jugendämtern und des ASD. Wir laden Sie herzlich ein, die oben genannten Fragen mit uns gemeinsam in Berlin zu diskutieren.

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