Schulversäumnisse - Jugendhilfe und Schule in einem Boot?

Aktuelle Beiträge zur Kinder- und Jugendhilfe
Band: 
89
Jahr: 
2013
Seiten: 
172
ISBN: 
978-3-931418-96-0
Inhalt: 

Was muss sich an Schule ändern, damit Kinder (zurück) in die Schule gehen?

Welches gemeinsame Verständnis von Bildung haben die Beteiligten des Systems Jugendhilfe? Versteht sich die Kinder- und Jugendhilfe als Bildungspartner? Welche Konsequenzen ergeben sich daraus in Zusammenarbeit mit den Partnern des Systems Schule?

  • Wie erkennen Lehrer/innen und Schulsozialarbeiter/innen Anzeichen von Schulversäumnissen? Und was sind die Ursachen für Schulversäumnisse?
  • Wie sieht sich Jugendhilfe in Relation zu Schule, wo gibt es welche Berührungspunkte?
  • Inwieweit findet Bildung außerhalb von Schule statt? Welche Angebote erhalten Schülerinnen und Schüler in Schule zu Kompetenzförderung und ganzheitlicher Bildung?
  • Hat die Kinder- und Jugendhilfe die Pflicht, Kindern ein alternatives Angebot zu machen?
  • Welcher unterstützenden begleitenden Angebote bedarf es seitens der Jugendhilfe hierfür?
  • Ist es Aufgabe der Kinder- und Jugendhilfe, Kinder und Jugendliche in die Schule zurückzuführen?

Drei Schwerpunkte standen im Mittelpunkt der Tagung:

  • Prävention von Schulabsentismus
  • Reintegration von Schulverweigerern
  • Begleitende Angebote zur „normalen“ Schule

Außerdem:

  • Nachgedacht über das Thema Elternarbeit: Was brauchen Kinder? Was brauchen Eltern?
  • Welche Entwicklungslinien in der Schulsozialarbeit gibt es im Hinblick auf den Umgang mit Schulversäumnissen und welche neuen Ansätze?
  • Kinder-und Jugendschutz: Schulversäumnisse als Merkmal von Kindeswohlgefährdung?

Kooperation statt Grabenkämpfe

Bestandteil der Tagung war ein Gespräch zum Bildungsauftrag von Schule.

Dazu sagte Frank Bretsch, Schulrektor, Ehm-Welk Oberschule Angermünde, das besondere Dilemma im Verhältnis zwischen Schule und Jugendhilfe bestehe in der unterschiedlichen Definition der inhaltlichen Arbeit. Schule werde häufig von der Seite der Jugendhilfe nicht nur kritisiert, sondern auch mit Veränderungswünschen überhäuft. Allerdings habe Schule keineswegs die Aufgabe, alle sozialpädagogischen Aufträge und Herausforderungen durchzudiskutieren. Schule habe Aufgaben mit klaren Zeitvorgaben, die in ihrer Endgültigkeit von keiner sozialpädagogischen Arbeit erreicht werden müssen. Um Schüler/innen nicht durch Schwänzen zu verlieren, sind viele Schulen bereits Wege gegangen, die einerseits öffentlich nur begrenzt wahrgenommen würden, andererseits auch noch viel mehr Nachahmer benötigten.

Für Stefan Schwall, Leiter des Instituts apeiros, Wuppertal, war es „wichtig zu betonen, dass man zwischen Bildung und Schule unterscheiden sollte. Das ist sinnvoll und das tun sie vielleicht schon. Aus dieser Unterscheidung wird etwas Neues wachsen.“ Es scheine zahlreiche intelligente Lösungen in vielen Varianten zu geben, die die verschiedenen Institutionen zusammenbringen. Es sei erfreulich, wie durch gelebte Kooperation versucht werde, institutionelle Schranken aufzulösen, und spannend zu verfolgen, ob das einen messbaren Effekt hervorbringe und Schule verändere.

Die Erkenntnis von Carolin Krause, Leiterin des Jugendamtes Köln, war, dass wir das Problem nicht (wieder) loswerden. Es sei wichtig, dafür zu sorgen, dass engagierte Menschen auch engagiert bleiben und dass Lehrer gern in die Schule gehen und „ihre“ Kinder mögen. „Wir können nur gemeinsam daran arbeiten, dass es allen mehr Spaß macht, mit diesem Problem zu leben, und es nicht zu groß werden zu lassen.“

Aus dem Inhalt

  • Eröffnung der Tagung:
    KERSTIN LANDUA, Deutsches Institut für Urbanistik, Berlin
  • Schulversäumnisse = Schulverweigerung? Was ist eigentlich draußen und was ist drin? Und wer definiert das?
    BODO STRÖBER, Jugendhaus OASE, Potsdam
  • Schulversäumnisse + Rechte der Kinder? Rechtliche Grundlagen – Möglichkeiten und Grenzen – Umgang mit Datenschutz, „Was geht, was geht nicht?“, Gefährdungseinschätzungen
    Prof. Dr. PETER KNÖSEL, Fachhochschule Potsdam
  • Schulversäumnisse – Anzeichen und Ursachen
    MARGRET SCHETTLER, Landeskooperationsstelle Schule – Jugendhilfe, kobra.net Kooperation in Brandenburg, Potsdam
  • Schulversäumnisse – Zusammenarbeit mit der Kinder- und Jugendpsychiatrie
    PETRA VASEN, Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie des Kindes- und Jugendalters, LVR Klinikum Essen, Essener Schulvermeider-Projekt
  • Schulversäumnisse + Elternarbeit: Präventive Ansätze
    ULRIKE BEHN und ULRIKE BRAIGER; Schulprojekt KEEP sChOOL, Diakonisches Werk Tempelhof-Schöneberg e.V., Berlin
  • Morgengespräch zum Bildungsauftrag von Schule: Was muss sich an Schule ändern, damit kinder und Jugendliche (zurück) in die Schule gehen?
    Gesprächspartner/innen:
    FRANK BRETSCH, Ehm-Welk-Oberschule Angermünde
    CAROLIN KRAUSE, Jugendamt Köln
    STEFAN SCHWALL, Institut apeiros, Wuppertal
    KERSTIN LANDUA, Deutsches Institut für Urbanistik, Berlin
  • Best Practice (Arbeitsgruppen)
    • AG 1: Das Jugendhaus OASE in Potsdam
      BODO STRÖBER, Jugendhaus OASE, Potsdam
    • AG 2: Mittelschulen in München – gelebte Kooperation
      • Eckpunkte der Kooperation
        HARTMUT KICK, Stadtjugendamt München
      • Hintergründe von Schulversäumnissen und Schulvermeidung aus kinderärztlicher Sicht
        Dr. MONIKA REINCKE, Abteilung Gesundheitsvorsorge im Referat für Gesundheit und Umwelt, München
      • Praxisbeispiele
    • AG 3: Das Projekt „Berufsvorsbereitungsreife“
      Dr. HEIKE FÖRSTER, Amt für Jugend, Familie und Bildung Leipzig
      OSTD THOMAS GRAUPNER, Berufliches Schulzentrum 7 der Stadt Leipzig
    • AG 4: Das Projekt apeiros in Wuppertal
      STEFAN SCHWALL, Institut apeiros, Wuppertal
    • AG 5: „Die Riesen“ – Kooperationsprojekt mit einer Grundschule in Neuruppin
      • Worin unterscheidet sich schulvermeidendes Verhalten in der Grundschule von dem in der Sekundarstufe 1?
        MARGRET SCHETTLER, kobra.net Kooperation in Brandenburg, Potsdam
      • Projektmaßnahme zur schulbegleitenden Integration von Kindern und Jugendlichen im 4. bis 6. Schulbesuchsjahr in Verbindung mit § 29 SGB VIII
        MICHAEL MENZEL, Ländliche Erwachsenenbildung Prignitz Havelland e.V., Neuruppin
    • AG 6: Die 2. Chance – Vernetzungsarbeit im Stadtteil und Clearingstelle Schulverweigerung
      ANNETTE SAILER, Koordinierungsstelle Schulverweigerung - Die 2. Chance, Berlin-Lichtenberg
  • Literaturhinweise