Publikation

Noch Raum für offene Jugendarbeit? Zwischen virtuellen Lebensräumen, Schulstress und Real-Life
27.11. - 28.11.14 | Berlin

Aktuelle Beiträge zur Kinder- und Jugendhilfe, 98
Erscheinungsjahr: 2015
194 Seiten
ISBN: 978-3-88118-554-7
Preis: 19 €

Welchen Auftrag gibt sich Jugendarbeit in der Kinder- und Jugendhilfe heute selber?

Jugendarbeit (§ 11/12 SGB VIII) ist als Leistung im Kinder- und Jugendhilfegesetz definiert und der drittgrößte Bereich innerhalb der Jugendhilfe (nach Kita und HzE). Neben der selbstorganisierten Jugendverbandsarbeit wird darunter auch die offene Jugendarbeit verstanden. Mit Blick auf die veränderten Lebenslagen von Kindern und Jugendlichen, den demografischen Wandel, knappe Kassen und Personalabbau ist (neu) zu fragen: Welche Funktion hat diese offene Jugendarbeit mit ihren Treffs, Jugendhäusern oder auch mobilen Angeboten aktuell für das Aufwachsen von Kindern und Jugendlichen und wie definiert sie selbst ihr Zukunftspotenzial und ihre Aufgaben?

Wo werden Sie als Fachkräfte in der offenen Jugendarbeit wirklich gebraucht?

Jugendarbeit hat den Anspruch, Ort eigener Gestaltungsmöglichkeiten für Kinder und Jugendliche zu sein, mit spielerischem, kreativem, experimentellem Charakter. Ist das noch so? Oder ist offene Jugendarbeit heute mehr fremd- als eigenbestimmt, indem sie unterstützende Dienstleistungen für andere Bereiche (nicht nur) der Jugendhilfe übernimmt, z.B. für Schule oder im Feld der Hilfen zur Erziehung? Wie kann hier mit Blick auf die Grundprämissen „Freiwilligkeit, Partizipation und Alltagsorientierung“ eine neue Handlungssicherheit in der Jugendarbeit hergestellt werden, die mit den Bedürfnissen und Interessenlagen der Kinder und Jugendlichen übereinstimmt?

Welches Profil braucht eine Fachkraft in der Jugendarbeit heute und welche Bezahlung passt dazu? Inwiefern finden eine Entpädagogisierung von Jugendarbeit und eine stärkere Selbstorganisation Jugendlicher statt?

Brauchen „wir“ überhaupt noch offene Kinder- und Jugendarbeit?

  • Was kann Jugendarbeit anbieten, was Kinder und Jugendliche nicht schon zu Hause oder in der (Ganztags)Schule machen können? Und wo? Sofa, Bauwagen, virtuelle Welten oder eher schickes Café? Passt der Ort für Jugendarbeit zum Sozialraum?
  • Welche lokalen neuen und innovativen Ansätze in der offenen Kinder- und Jugendarbeit gibt es?
  • Sollte sich Jugendarbeit (gerade in ländlichen Räumen) mehr in Bürgerzentren/Mehrgenerationenhäusern integrieren? Muss Jugendarbeit engere oder neue Kooperationen eingehen und zukünftig mehr mit den Jugendverbänden zusammen arbeiten?
  • Gibt es einen Arbeitsauftrag für Jugendarbeit mit Blick auf den größer werdenden Spagat von bildungsnahen und bildungsfernen Jugendlichen? Wieviel Orientierung und Beratung kann Jugendarbeit bei der Berufsfindung Jugendlicher bieten und auf welche Weise?

Eine Lobby in der Kommunalpolitik schaffen!

Alle diese Aspekte und Fragen wurden im Verlauf der Tagung intensiv erörtert. Am wichtigsten auf dieser Tagung war aber rückblickend betrachtet die Auseinandersetzung mit der Frage, wie das Thema „Jugendarbeit“ und die dort engagierten Fachkräfte mehr Gehör für ihre Belange in der Kommunalpolitik finden können und wie die hierfür fehlende Lobby geschaffen werden kann, um gute Ideen weiterzutragen und zu kommunizieren, darin waren sich alle einig.

Was bleibt nun von dieser Tagung? So hat es ein Teilnehmer zusammengefast: „Ermutigung, für die Jugendarbeit zu kämpfen. Orientierung über den Stand der Debatte. Viele engagierte Kollegen landesweit.“

 

Aus dem Inhalt

Vorwort
KERSTIN LANDUA, Deutsches Institut für Urbanistik, Berlin

Always online? DIVSI U25-Studie: Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene in der digitalen Welt
JOANNA SCHMÖLZ, Deutsches Institut für Vertrauen und Sicherheit im Internet (DIVSI), Hamburg

Wie ticken Jugendliche heute? Werte, Zukunftsvorstellungen und Alltag der 14- bis 17-Jährigen
PETER MARTIN THOMAS, SINUS:akademie, Heidelberg

Wissenschaft trifft auf Praxis: Welche Funktion hat offene Jugendarbeit heute für das Aufwachsen von Kindern und Jugendlichen? Welche Veränderungen haben sich daraus in der täglichen Praxis der Jugendarbeit ergeben? Welche Impulse zur Weiterentwicklung von Jugendarbeit gibt es?

… in der Stadt:
BERND KAMMERER, Jugendamt Nürnberg

… und auf dem Land:
PROF. DR. PETER ULRICH WENDT, Hochschule Magdeburg-Stendal

Die Kluft zwischen Wissenschaft und Praxis schließen: Wie erfahren wir als Fachkräfte, was Jugendliche brauchen (und wollen), und wie nutze ich das als Ausgangspunkt für „meine“ Jugendarbeit?
PROF. DR. ULRICH DEINET, Fachhochschule Düsseldorf

Einen Plan machen: ...
Wie setzen wir das, was  Kinder und Jugendliche brauchen (und wollen), als Fachkräfte in der Praxis um?

Podiumsdiskussion mit:

PROF. DR. ULRICH DEINET, Fachhochschule Düsseldorf
ANNA JANSEN, Diözesanverband Osnabrück
SIEGHARD KELLE, Stuttgarter Jugendhaus gGmbH (stjg)
SVEN KENTRUP, Jugendamt der Stadt Münster
ANKE MIEBACH-STIENS, Arbeitsgemeinschaft Jugendfreizeitstätten Sachsen e.V. (AGJF), Chemnitz
ANDREA PINGEL, Kooperationsverbund Jugendsozialarbeit, Berlin

Wie bekommen wir die Fachkräfte, die Jugendliche brauchen (und wollen?) Wie sehen Stellenprofile hierzu aus?
CATERIN MENDE, Stuttgarter Jugendhaus gGmbH (stjg)

Was geht? Vorstellung von (innovativen) Praxisbeispielen

AG 1: Geocaching, Slackline, Urban Gardening und Outdoorküche. Methoden der Jugendarbeit, die ankommen?
ANKE MIEBACH-STIENS, AGJF, Chemnitz

AG 2: Auf der Suche nach kooperativen Konzepten. Ganztagsschule und Jugendarbeit
ANNA JANSEN, Diözesanverband Osnabrück

AG 3: Selbst im kleinsten Dorf … Mobile Jugendarbeit und Streetwork
GEORG DODT, Jugendamt der Stadt Greven

AG 4: Nicht ohne uns … Jugendbeteiligung in Bremer Stadtteilen mit Ressourcenverantwortung
HEIKE BLANCK, Senatskanzlei Bremen

AG 5: Passt schon? Funktioniert was (da) drin steht? Umsetzung des 3. Münsteraner Kinder- und Jugendförderplans
SVEN KENTRUP und SVEN WERK, Amt für Kinder, Jugendliche und Familien der Stadt Münster

AG 6: „Change agents“ im ländlichen Raum. Regionalmanagement – eine neue Aufgabe für die Jugendarbeit?
PROF. DR. PÄD. JOACHIM FAULDE, Katholische Hochschule Nordrhein-Westfalen, Paderborn

Kommunalpolitisch umsetzen ...
Wie ist das alles, was Jugendliche brauchen (und wollen), kommunalpolitisch umsetzbar? Wie gelingt es der Politik, gemeinsam mit öffentlichen und freien Trägern der Jugendhilfe umzusteuern?

Quer gedacht hierzu von:
JÖRG FREESE, Deutscher Landkreistag, Berlin
NORBERT HOCKE, Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), Berlin
URSULA HOLTMANN-SCHNIEDER, Jugendhilfeausschuss Düsseldorf
RÜDIGER ULRICH, Jugendhilfeausschuss Leipzig

Literaturverzeichnis