Publikation

Was wir alleine nicht schaffen ... Prävention und Gesundheitsförderung im kooperativen Miteinander von Kinder- und Jugendhilfe und Gesundheitswesen
26.09. - 27.09.16 | Berlin

Aktuelle Beiträge zur Kinder- und Jugendhilfe, 106
Erscheinungsjahr: 2017
248 Seiten
ISBN: 978-3-88118-562-2
Preis: 19 €

Am 26./27. September 2016 veranstaltete die Arbeitsgruppe Fachtagungen Jugendhilfe (AGFJ) in Kooperation mit dem AFET - Bundesverband für Erziehungshilfe e. V. die oben genannte Tagung. Zahlreiche Fachkräfte der Jugendhilfe und des Gesundheitswesens waren nach Berlin gekommen, um gemeinsam zu überlegen, wie das Verständnis der beiden Systeme füreinander verbessert und die Rechts- und Handlungssicherheit der Fachkräfte sowie die strukturelle Vernetzung unterstützt werden können. Hierzu wurden am ersten Tag u.a. bewährte Handlungsmodelle gemeinsamer Prävention vorgestellt. Am zweiten Tag stand die gemeinsame Intervention im Mittelpunkt.

Wie ticken die Systeme und wie können sie gut zusammenarbeiten?

Zu Beginn der Tagung stellte Dr. med. Helmut Hollmann, Kinderneurologisches Zentrum Bonn, beide Systeme sowie deren Erwartungen an das jeweils andere System vor. Außerdem nannte er Ziele sowie Gelingensfaktoren und Stolpersteine für die gemeinsame Zusammenarbeit. Ein solches Ziel wäre beispielweise die Schaffung eines „fördernden Milieus“ für Kinder, Jugendliche und ihre Familien. Ein förderndes Milieu sei wirksamer als eine (medikamentöse) Therapie. Deshalb sei die Einbeziehung der Eltern stets das „A und O“ jeder Therapie. Darüber hinaus sei es wichtig, Netzwerke wie bei den Frühen Hilfen und interdisziplinäre Qualitätszirkel zu pflegen und die eigene Arbeit zu evaluieren.

Wie tauschen wir die richtigen Informationen zur rechten Zeit aus? 

Prof. Dr. Stephan Rixen, Universität Bayreuth, ging auf Datenschutzfragen und Rechte und Pflichten von Berufsgeheimnisträgern aus juristischer Sicht ein und erläuterte den strafrechtlichen Hintergrund.

Dr. med. Dipl.-Psych. Ingo Menrath, Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, Lübeck, beschrieb anschließend, wie er den Umgang mit der Befugnisnorm für Berufsgeheimnisträger zur Informationsweitergabe an das Jugendamt in der Praxis erlebt. Aus ärztlicher Sicht schütze die Norm einerseits die Vertrauensbeziehung zwischen Arzt und Patient, andererseits ermögliche das Gesetz die Weitergabe wichtiger Informationen an das Jugendamt. Leitlinien würden im alltäglichen Umgang allerdings tatsächlich fehlen, bestätigte er die Einschätzung von Prof. Rixen.

Potenziale des Präventionsgesetzes von 2015

Prof. Dr. Raimund Geene, Hochschule Magdeburg-Stendal, stellte die Inhalte des neuen Präventionsgesetzes vor und ging auf die Frage ein, wie Gesundheitsförderung und Frühe Hilfen synergetisch zusammenwirken können. Für einen guten Weg hält er z. B. die Einführung und Erarbeitung von Aktionsplänen und Bündnissen für gesundes Aufwachsen in Kommunen (wie z.B. das Landesprogramm „Kein Kind zurücklassen! Kommunen in NRW beugen vor“).

Schaffen wir es in Zukunft (besser) zusammen?

Mit Hilfe eines neuen experimentellen Formates konnten die Systeme Jugendhilfe, vertreten durch Christine Gerber, Deutsches Jugendinstitut e.V. (DJI), und Gesundheit, vertreten durch Dr. Andreas Oberle, Sozialpädiatrisches Zentrum/interdisziplinäres Kinderschutzteam am Klinikum Stuttgart Olgahospital, erfolgreich (und mit Humor) „therapiert“ werden. Im Rahmen einer von Rainer Kröger, AFET/ Diakonieverbund Schweicheln e. V. „moderierten Paartherapie“ tauschten sie sich über das Vorgehen bei Auftreten eines Verdachtes auf Kindeswohlgefährdung in einer Klinik aus, die in dieser Dokumentation ebenfalls nachzulesen ist …

Aus dem Inhalt

Eröffnung
JUTTA DECARLI, AFET - Bundesverband für Erziehungshilfe e.V., Hannover

Wie ticken die beiden Systeme Jugendhilfe und Gesundheitswesen? Was lässt uns gut zusammenarbeiten, was hindert uns? Grundpositionen, Haltungen, Herausforderungen
DR. MED. HELMUT HOLLMANN, Kinderneurologisches Zentrum Bonn

In den Schuhen der/des jeweils anderen ...
Eine moderierte „Paartherapie“ mit Tipps zur Beziehungsgestaltung aus dem Plenum

CHRISTINE GERBER, Deutsches Jugendinstitut e.V., München;
DR. ANDREAS OBERLE, Klinikum Stuttgart Olgahospital

Potenziale des Präventionsgesetzes
PROF. DR. RAIMUND GEENE, Hochschule Magdeburg-Stendal

Was muss getan werden, damit die Zusammenarbeit für psychisch kranke Kinder optimiert wird? Wie kann im Hinblick darauf die Zusammenarbeit zwischen Kinder- und Jugendhilfe, Sozialhilfe und Krankenkassen so gestaltet werden, dass alle davon profitieren?
PETER DE-MARY, AOK Rheinland/Hamburg, Düsseldorf

Richtig handeln im Alltag! Anforderungen an Datenschutz, was sind „Ermessensfragen“, was „dürfen“ Berufsgeheimnisträger?
PROF. DR. STEPHAN RIXEN, Universität Bayreuth;
DR. MED. DIPL.-PSYCH. INGO MENRATH, Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, Lübeck

Diskussion im Plenum zum Thema „Rückmeldepflicht durch die Jugendämter“

Sieben Jahre danach ...
Umsetzung der Ziele und Anforderungen aus dem 13. Kinder- und Jugendbericht, neue Herausforderungen im Zuge von Inklusion, Flüchtlingsfamilien und der geplanten Reform des SGB VIII

PROF. EM. DR. HEINER KEUPP, München

Prävention als gemeinsame Vorsorge von Kinder- und Jugendhilfe und Gesundheitswesen: Kooperationsmodelle (Arbeitsgruppen)

„Frühe Hilfen und vertragsärztliche Qualitätszirkel“
KATHARINA HAVERKAMP und CLAUDIA RUBLACK, Berlin

„Das Projekt ‚Chancenreich‘ - Hilfen für eine erfolgreiche Erziehung“
DR. CHRISTOF KLINKERT und ANNE-CATHERINE NEUHAUS, Herford

„Kooperationsnetzwerk im Kinderschutz“
BRITTA DISCHER und ANTJE WÖSTMANN, Unna

„Babylotsen +“
DR. MED. CHRISTINE KLAPP und SUSANNE PREIßEL, Berlin

„VerbundNetzwerkKinderschutz Landkreis Mecklenburgische Seenplatte“
MATTHIAS BRANDT, MARION SCHILD (Neubrandenburg),
DR. SIMONE HERRLICH, Waren (Müritz)

Arbeitsgruppen zur Kooperation von Kinder- und Jugendhilfe und Gesundheitswesen in verschiedenen Arbeitsfeldern

„Kooperative Arbeitsmodelle bei Hinweisen auf Kindeswohlgefährdung (durch Misshandlung)“
DR. MED. DIPL.-PSYCH. INGO MENRATH und TERESA SIEFER; Lübeck

„Kinder und Jugendliche und ihre psychisch erkrankten Eltern“
ANKE BAMBERGER und ANNA BECK, Hamburg

„Erfahrungswerte der Thüringer Ambulanz für Kinderschutz (TAKS)“
RAPHAELA OETTER, Jena

„ICF - Was ist das und wie kann sie angewendet werden?“
PRIV.DOZ. DR. HEIKE PHILIPPI, Frankfurt am Main

„Kooperative Zusammenarbeit bei Suchtproblematiken“
KATHRIN ELSNER, Greifwald, und ALEXANDER GROPPLER, Schwerin

Literaturhinweise