Veranstaltung

01.10. - 02.10.2009 | Berlin | Ernst-Reuter-Haus
Das aktive Jugendamt im familiengerichtlichen Verfahren

Eine Fachtagung der Arbeitsgruppe Fachtagungen Jugendhilfe im Deutschen Institut für Urbanistik in Kooperation mit dem Deutschen Institut für Jugendhilfe und Familienrecht e.V. Heidelberg

Zur "Philosophie" des neuen Gesetzes:

Anliegen der Tagung ist es, die "Philosophie", die Möglichkeiten und Grenzen des neuen Rechts, das einen Rahmen für Konfliktlösungsmöglichkeiten im Verfahren schaffen soll, vorzustellen. Dabei sollen insbesondere die Schnittstellen zur Kinder- und Jugendhilfe, die aktivere Rolle des Jugendamtes und die damit verbundenen Handlungsschritte der verschiedenen Akteure (bei Trennung und Scheidung, Kindeswohlgefährdung und Häuslicher Gewalt) diskutiert werden. Bestandteil dieser Diskussion soll auch ein Erfahrungsaustausch zu dem Gesetzesteil (Gesetz zur Erleichterung familiengerichtlicher Maßnahmen bei Gefährdung des Kindeswohls - KiWoMaG), der bereits im Sommer 2008 in Kraft getreten ist, sein.

Rollenklärung und Selbstverständnis/Zwangsläufigkeit interdisziplinärer Kooperation:

Primärakteure im familienrechtlichen Verfahren sind das Familiengericht und der ASD (bei Kindeswohlgefährdung). Die Verschränkung von zwei (unabhängigen) Verfahren, Hilfeplanung und FG-Verfahren, muss jetzt parallel gedacht und in einen gemeinsamen Prozess zusammen- und durchgeführt werden.

Das Jugendamt erhält durch die Reform eine neue Rolle, da sich die Aufträge des Familiengerichts an das Jugendamt ändern. Jugendamt und Familiengericht müssen dadurch aktiver werden, sich früher der Familien und ihrer Konflikte durch persönliche Kontakte annehmen und sich bei der Perspektivenentwicklung im Verfahren und für das Kind und seine Eltern verständigen. In diesem Zusammenhang ist es wichtig, Begrifflichkeiten zu klären und sich darüber zu verständigen, was die eine Profession über die Arbeitsaufgaben der anderen wissen muss.

Die Justiz muss sich deutlich vertiefter auch inhaltlich auf das Was und Wie der Arbeit der Kinder- und Jugendhilfe einlassen, der ASD muss (neu) lernen, wann er das Familiengericht einbezieht. Dafür ist es notwendig zu klären, was der ASD für methodisches Handwerkszeug - in der Vorbereitung der Termine, beim Auftreten im Termin, beim Verfassen schriftlicher Stellungnahmen, beim Nachbereiten und Weiterverfolgen von Terminen und Entscheidungen - benötigt. Hierzu braucht es Sprache, Inhalte, Standards.

Im Mittelpunkt der Tagung werden im Zusammenhang mit familiengerichtlichen Verfahren folgende drei Themen stehen:

  • Trennung + Scheidung,
  • Kindeswohlgefährdung (§ 1666 BGB),
  • Schutz vor häuslicher Gewalt.

Zielgruppe der Tagung sind Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Sozialen Diensten der Jugendämter und in Beratungsstellen, Verfahrensbeistände, Vormünder und Pfleger, psychologische Sachverständige, Familienrichter/innen und Rechtsanwält/innen.