Sind wir (noch) Sozialarbeiter oder "nur" Vermittlungsstelle für Fälle?
Fachkräfte im Allgemeinen Sozialen Dienst haben eine sehr abwechslungsreiche, vielfältige Tätigkeit, die sie oft oder sogar alltäglich vor neue unerwartete Herausforderungen stellt. Das macht diese Tätigkeit einerseits interessant, andererseits gibt es einen hohen Verantwortungsdruck und vielerorts gestiegene Belastungen, nicht nur durch mehr "Fälle" oder unterbesetzte Teams. Ist doch die Arbeit im Allgemeinen Sozialen Dienst (ASD) in den letzten Jahren nicht nur quantitativ gewachsen, sondern zeichnet sich durch eine gestiegene Komplexität der Aufgaben aus (Dokumentationsaufwand, Umgang mit finanzorientierten Vorgaben etc.). Überwiegt das Verwaltungsmanagement gegenüber der klassischen sozialen Arbeit, die zunehmend an freie Träger ausgelagert wird, weil Kontrolle, Steuerung und Dokumentation der Fallarbeit zur (eigenen) Absicherung im Jugendamt so notwendig sind? Wie groß ist die Angst, Fehler zu machen und dafür zur Verantwortung gezogen zu werden?
Überall gleich?
Nicht überall ist der ASD tatsächlich strukturell überlastet, das ist regional sehr unterschiedlich, ebenso wie die Aufgabentiefe und -breite in den regionalen ASDs. Es gibt besondere "Krisenlandschaften", aber auch Städte und Landkreise, die mit den gegebenen Arbeitsbedingungen gut umgehen können. Darüber hinaus sind viele Kommunen ihre (Personal)Probleme – leider oft nach tragischen Kinderschutzfällen - bereits erfolgreich angegangen. Hier werden wir Ihnen im Verlauf der Tagung lösungsorientierte gelungene Praxis vorstellen. In diesem Kontext stellen sich aber viele Fachkräfte im ASD zunehmend die (berechtigte) Frage: Was ist unsere/meine Identität als Fachkraft in der Sozialen Arbeit? Ist der ASD "nur" noch eine Vermittlungsstelle?
Wer trifft auf wen im ASD? Oder sind jüngere Fachkräfte heute eher Casemanager?
Personalgewinnung, -auswahl und -förderung ist immer auch ein Führungsthema. Die Leitung eines Jugendamtes sollte ein sicherer Ort für den Fachdienst ASD sein. Derzeit gibt es jedoch regionale Erfahrungen, dass erfahrene Fachkräfte den ASD verlassen und es mitunter schwierig ist, Nachwuchskräfte zu gewinnen, weil z.B. freie Träger attraktivere Arbeitsbedingungen bieten (können). Zudem sind Berufsanfänger oft nicht hinreichend für die schwierige Arbeit im ASD ausgebildet. Welche Anforderungen an die Ausbildung für Sozialarbeiter/innen hat die Praxis? Wie bereiten Hochschulen Absolventen auf die Praxis vor? Braucht das Jugendamt Spezialisten oder Generalisten? Gibt es Einarbeitungskonzepte für Berufsanfänger/innen? Verstehen sich jüngere Fachkräfte eher als Casemanager? Wie deutlich sind Unterschiede zwischen den "Sozialarbeitergenerationen"? Kann der Wissenstransfer von älteren Generationen noch hinreichend geleistet werden? Hat (bereits) ein Wechsel der Berufsidentität stattgefunden? Was bedeutet Beziehungsarbeit mit den Klient/innen heute? Wieviel Beratung ist noch "drin"?
Ein Thema, das bewegt …
… weil Soziale Arbeit selbstbewusste professionelle Fach- und Führungskräfte braucht. Wir wollen mit Ihnen gemeinsam darüber diskutieren:
- Was macht die Berufsidentität im ASD heute aus?
- Welche Wirkung haben Organisationsstruktur und Arbeitsweise auf das Personal?
- Welches Kompetenzprofil sollte eine Fachkraft im ASD haben?
- Wie gelingt Personalbindung?
- Wie gelingt Fach- und Führungskräfteentwicklung?
- Wie gelingt die Bereitstellung gesicherter Handlungsräume für die Fachkräfte (damit Arbeit nicht krank macht)?
- Welche Anforderungen haben freie Träger an den ASD?
Wir laden Sie - Fachkräfte der öffentlichen und freien Träger der Jugendhilfe - herzlich ein, auf dieser Tagung mit uns gemeinsam über Personalgewinnung, -entwicklung und -führung im Spannungsfeld von Arbeitsbelastung und Fachkräftemangel zu diskutieren, Ihre Erfahrungen einzubringen und sich an einem Praxistransfer gelungener Strategien in diesem Themenfeld zu beteiligen.