Tagungsbericht

Erziehung ist erfolgreich, wenn sie Ordnung in den Herzen und Köpfen der Kinder schafft!1

Bericht zur Veranstaltung "Wann ist Heimerziehung für Kinder erfolgreich?"

Fachtagung | Berlin | 19.05. - 20.05.2011

Wann ist Heimerziehung für Kinder erfolgreich? Zu diesem Thema veranstaltete die Arbeitsgruppe Fachtagungen Jugendhilfe im Deutschen Institut für Urbanistik am 19./20.05.2011 in Berlin eine Tagung, die über 120 interessierte Fachkräfte aus der freien und öffentlichen Jugendhilfe besuchten. BRUNO PFEIFLE, Leiter des Jugendamtes Stuttgart, wies bei der Eröffnung der Tagung darauf hin, dass Heimerziehung stets ein vieldiskutiertes und -untersuchtes Thema für die Fachöffentlichkeit in der Kinder- und Jugendhilfe ist. Auch die Ausgangsfrage der Fachtagung: "Wann ist Heimerziehung erfolgreich?" sei nicht neu, aber stets neu zu stellen. Denn Heimerziehung ist die älteste und in der Jugendhilfe fest verankerte Form der Erziehungshilfen mit einem hohen professionellen Anspruch, aber auch mit erheblichen Kosten.

 

Bruno Pfeifle, Jugendamt Stuttgart

Bruno Pfeifle, Jugendamt Stuttgart

Was ist ein ordentlicher Mensch?

Prof. Dr. CHRISTIAN SCHRAPPER bezog sich in seinem Vortrag auf Evaluationsstudien der letzten 100 Jahre, aber auch auf aktuelle Untersuchungen und deren zentrale Befunde über den "Lebenserfolg" ehemaliger Heimkinder und "Wirkfaktoren" erfolgreicher Heimerziehung. Ausgehend von der These: Jede Zeit hat ihre Ordnung und Heimerziehung ist dann erfolgreich, wenn sie zeitgemäß ordnen hilft, stellte er an den Anfang seines Vortrages drei Fragen und versprach den Teilnehmer/innen drei Arten von Antwort darauf:

  • Was ist ein ordentlicher Mensch?
  • Wie kann festgestellt werden, ob ein Mensch ordentlich geworden ist?
  • Wie kann nachvollzogen werden, welchen Beitrag Heimerziehung geleistet hat, dass aus einem "unordentlichen" ein "ordentlicher" Mensch geworden ist?

Die "klassische Antwort", lautete in Anlehnung an eine Aussage von Liselotte Pongratz: "statt (im Heim) das alte Milieu auszuschließen ... das 'alte' Milieu im Heim wirksam werden lassen. Erst in den dadurch entstehenden realen Konflikt- und Krisensituationen des einzelnen werden seine Schwächen und Schwierigkeiten deutlich."
Die "moderne" Antwort war - kurz gefasst: Ordentlich lebt, wer Autonomie und Soziabilität, Kreativität, Produktivität und Sexualität als Sozialisationsziele erreichen konnte. (Aus: Mehr Chancen für die Jugend - Inhalt und Begriff einer Offensiven Jugendhilfe, 1974)
Die "postmoderne" Antwort hieß: Ordentlich lebt, wer seinen Lebensweg selbst gestaltet, seine Persönlichkeit entwickelt, seinen sozialen Ort findet und eine eigenverantwortliche, gemeinschaftsfähige Persönlichkeit wird.

Letzteres veranlasste Prof. Schrapper zu der Frage: Ist jeder seiner Biografie Schmied? und zu einem (auch) historischen Rückblick in die Biografieforschung. Eigene Untersuchungsergebnisse von Prof. Schrapper und Sabine Ader besagen, dass Heimerziehung dann eine Chance hat, erfolgreich auf die Lebensprozesse junger Menschen einzuwirken,

  • wenn die Kinder verstehen, was mit ihnen geschieht und wenn in Krisen frühzeitig und ausreichend eingegriffen wird,
  • wenn Hilfesysteme ausreichend stabil sind, familiäre Krisen und kindliche Enttäuschungen auszuhalten und die Kinder zuverlässig schützen und fördern, ohne Ressourcen ihrer Herkunftsmilieus abzuwerten,
  • wenn Helfer/innen, mehr kooperieren als konkurrieren.

 

Prof. Dr. Christian Schrapper, Universität Koblenz-Landau:

Prof. Dr. Christian Schrapper, Universität Koblenz-Landau: "Wie wirkt Heimerziehung?"

"Die Heimerziehung der Zukunft ist eine interdisziplinäre Hilfe (...)."2

Da Heimerziehung als (zeitweiser) Ort des Aufwachsens junger Menschen auch in naher Zukunft nicht völlig "überflüssig" werden wird, ist zu fragen: Was ist moderne Heimerziehung und was muss sie leisten, damit sie Kinder in ihrer Entwicklung positiv unterstützt? Diese Fragen beantwortete KÄTHE BRUNNER, Leiterin des Jugendamtes Jena, aus Sicht der öffentlichen Jugendhilfe. Ihre Antwort fasste sie zu Leitsätzen moderner Heimerziehung zusammen und erläuterte diese anhand der Konzeption eines Jenaer Kinder- und Jugendheimes in freier Trägerschaft:

  • Das Leitziel der Heimerziehung ist, dass Familiensystem als Ganzes zu befähigen, selbständig, eigenverantwortlich zu leben.
  • Die Erziehung im Heim muss hierzu interdisziplinär gestaltet sein; soll verschiedene, aufeinander abgestimmte Hilfeleistungen sowohl für die Kinder als auch deren Eltern umfassen - im Sinne eines "FamilienEntwicklungsProgramms".
  • Für Kinder, die doch für eine längere Zeit fremduntergebracht werden müssen, soll ein Platz in Pflegefamilien und in familiären Kleinstheimen ermöglicht werden.

 

"Was ist moderne Heimerziehung heute?" - Aus Sicht der öffentlichen Jugendhilfe: Käthe Brunner, Jugendamt Jena

"Die" Heimerziehung gibt es nicht mehr!

Wie die heutige moderne Heimerziehung aus der Perspektive der freien Jugendhilfeträger aussieht, beleuchtete Dr. HANS-ULLRICH KRAUSE, Leiter des Kinderhauses Berlin Mark Brandenburg und Vorsitzender der Internationalen Gesellschaft für erzieherische Hilfen (IGfH). Er betonte, dass es "die" Heimerziehung heute nicht mehr gibt. Nicht nur die Einrichtungs-, Betreuungs- und Gruppenformen haben sich ausdifferenziert und spezialisiert, sondern auch die pädagogischen Methoden und Arbeitsansätze der Fachkräfte haben sich im Zusammenhang mit den gesellschaftlichen Entwicklungen verändert. In seinem Fachvortrag benannte Dr. Krause zentrale Entwicklungen, die die heutige Heimerziehungspraxis prägen und deren Erfolg beeinflussen:

  • Eine Wissenszunahme im Arbeitsfeld, die zu einer deutlichen Professionalisierung der Heimerziehung führte,
  • Veränderungen der professionellen Haltungen hin zu einer demokratischen, respektvollen, solidarischen Haltung den Kindern wie den Eltern gegenüber.
  • Beteiligung als kulturelle Voraussetzung für erfolgreiche Heimerziehung wird immer stärker akzeptiert - Partizipation ist der zentrale Arbeitsansatz.
  • Heimerziehung habe heute dialogisch, kooperativ und vernetzt zu erfolgen, denn "ohne Partner läuft Heimerziehung ins Leere".
  • Individualität und Gemeinschaft können nur als Tandem zu Erfolgen in der Heimerziehung führen.

 

"Was ist moderne Heimerziehung heute?" - Aus Sicht der freien Jugendhilfe: Dr. Hans-Ullrich Krause, Kinderhaus Berlin-Mark Brandenburg

Diagnostik und Indikation - Wie kommt es zu einer Aufnahme ins Heim?

Entscheidend ist eine "fachlich fundierte, partizipative, kooperative Hilfeplanung". Vor dem Hintergrund der Pluralisierung und Spezialisierung der Heimerziehung, aber auch des erheblichen biografischen Eingriffs bei den Heimkindern sind Schlüsselfragen: Was ist der Bedarf? Wer definiert ihn? Wie wird er festgestellt? Was ist die "richtige" Einrichtung? bedeutend. Zur Rolle der Jugendämter bei der Diagnostik und Indikation referierte Frau Dr. SUSANNE HEYNEN, Leiterin des Jugendamtes Karlsruhe. Ausschlaggebend, ob eine Heimerziehung positive Effekte erzielen kann, ist für Dr. Heynen die Qualität von Diagnostik-, Planungs- und Entscheidungsprozessen im Hilfeplanverfahren.
Die fallzuständige Fachkraft des Allgemeinen Sozialen Dienstes findet nur dann die "richtige" Einrichtung, wenn folgende Kriterien im Hilfeplanverfahren erfüllt sind:

  • hohe Fachlichkeit,
  • Unterstützung durch Leitung und Mitarbeiter/innen,
  • Beteiligung aller am Hilfeprozess beteiligten Akteure und
  • ausreichende, verfügbare, qualitativ hochwertige stationäre Jugendhilfeeinrichtungen.

Dr. Heynen merkte diesbezüglich kritisch an, dass das Fallverstehen in der Praxis oft (noch) problematisch ist, weil vor allem der Zeit- und Kostendruck kein qualitativ gutes Hilfeplanverfahren gestatteten. Ebenfalls verbesserungsbedürftig sei die Fähigkeit der Fachkräfte, sich auf die Kinder einzustellen und die damit verbundene Gesprächsführung. Hier bestehe Fortbildungsbedarf.

 

"Wie kommen Kinder ins Heim? Wie findet 'man' die richtige Einrichtung für das Kind" - Die Rolle der Jugendämter: Dr. Susanne Heynen, Jugendamt Karlsruhe

Keine einseitige Perspektive, sondern eine gemeinsame Perspektive entwickeln!

Die Rolle der freien Träger bei der Diagnostik und Indikation beleuchtete GEORG-FRIEDRICH BECKER, Pädagogischer Leiter in der Evangelischen Jugendhilfe Münsterland gGmbH, Steinfurt. Der Träger ist für die Inobhutnahme des Kreises Steinfurt zuständig und beschäftigt sich intensiv mit diagnostischen Methoden. Diese stellt er in seinem Vortrag vor. Ziel einer jeden Diagnose des Trägers ist, die Chancen und Ressourcen für die Reintegration der in Obhut genommenen Kinder in ihre Familien auszuloten. Aufgabe des freien als auch des öffentlichen Trägers ist es hierfür, die familiäre Problemkonstellation zu erfassen und eine der Problemstellung angemessene, individuelle Perspektive für das Kind zu entwickeln. Eine adäquate Diagnostik umfasst verschiedene Instrumente der sozialpädagogischen Diagnostik, der Familiendiagnostik und der psychologischen Diagnostik. In diesem Kontext hob er wie auch schon Dr. Heynen zuvor die zentrale Bedeutung des Dialogs hervor. Die Klärung des Hilfebedarfs und die Entwicklung einer individuellen Perspektive sollen, dürfen und können nicht ohne den jungen Menschen bzw. seine Eltern erfolgen.

 

"Wie kommen Kinder ins Heim? Wie findet 'man' die richtige Einrichtung für das Kind" - Die Rolle der freien Träger: Georg-Friedrich Becker, Evangelische Jugendhilfe Münsterland, Steinfurt

Kinderinteressen versus Organisationsinteressen!? - "Kinder brauchen einen lebenswerten Ort."

Was geschieht mit den Kindern im Heim? Hierzu referierte Dr. PETER BÜTTNER, ein seit 40 Jahren innewohnender Heimleiter mit Forschungserfahrung und Geschäftsführer des Projektes Petra GmbH & Co. KG in Schlüchtern. Wenn über die Prozess- und Strukturqualität der Heimerziehung diskutiert wird, müsse man stets ihren Doppelauftrag im Blick haben. Der Auftrag der Heimerziehung bestehe darin, das Heim als (ein) Zuhause und zugleich als eine professionelle Organisation zu gestalten. Für Dr. Büttner bedeutet Heim als Zuhause, den Kindern einen "lebensnahen und lebenswerten" Ort zu organisieren, an dem sie sich angenommen und verstanden fühlen. Heim als professionelle Organisation hat den Auftrag, die Probleme der Kinder abzubauen, sie in ihrer schulischen/ beruflichen Ausbildung zu unterstützen und dafür mit den Herkunftsfamilien zusammenzuarbeiten. Hier eröffnet sich ein Spannungsfeld, das den Arbeitsalltag einer jeden Fachkraft beeinflusst. Die Herausforderung besteht darin, diesen nicht unproblematischen, weil teils in sich widersprüchlichen Doppelauftrag täglich einzulösen.

Was braucht es dafür?
Zuallererst Personen "mit einer hohen Schwingungsfähigkeit", die die emotionalen Signale der Kinder bemerken und mit ihrer Persönlichkeit "beantworten" können und die eine hohe Belastbarkeit haben. Es bedarf selbstverständlich auch einer konzeptionellen und organisatorischen Absicherung, d.h., Zuständigkeiten sowie Verantwortlichkeiten sind zu klären und Zeiträume im Sinne eines "kindgerechten" Dienstplans zu schaffen. Notwendig seien u.a. gute Bildungs- und Freizeitangebote, da viele Kinder Defizite im Bereich Kreativität haben und ihre Leidenschaften verschüttet sind. Hier müsse es "Erkundungsmöglichkeiten" für die Kinder geben. Die transparente Organisation und Umsetzung von Partizipation und Elternarbeit muss ebenso gegeben sein. Auch gilt es, die Heime für das soziale Umfeld (Peers, Vereine und Nachbarschaft) zu öffnen. Äußerst wichtig sei schlussendlich eine kooperative Zusammenarbeit der Heimeinrichtung mit dem Jugendamt als Steuerungs- und Aufsichtsbehörde, der Schule und der Psychiatrie.

 

Dr. Peter Büttner, Projekt Petra, Schlüchtern:

Dr. Peter Büttner, Projekt Petra, Schlüchtern: "Was passiert im Heim?"

Heim - Chance und Risiko!? Erfahrungsaustausch in Arbeitsgruppen zu den Anforderungen und Herausforderungen der heutigen Heimerziehungspraxis

Nach dem inhaltlichen Input gab es die Möglichkeit, sich in Arbeitsgruppen zu den Themen Partizipation, Elternarbeit, Professionelle Haltung von Heimerzieher/innen, Bildungsauftrag, Alltagsgestaltung und Umgang mit Missbrauch und Gewalt in Heimen auszutauschen. Die Diskussionen über die vielfältigen Anforderungen und Herausforderungen, denen Fachkräfte sich heute zustellen haben, werden in der Tagungsdokumentation nachzulesen sein.

Wirkung und Nachhaltigkeit: "Wie verlassen die Kinder das Heim? Was wird aus den Kindern?"

Heimerziehung soll Kinder in ihrer Entwicklung positiv fördern. Nach Beendigung des Heimaufenthalts stellt sich die Frage, wie wirksam und nachhaltig die Fremdunterbringung war. Dr. KLAUS ESSER, Kinderdorfleiter des Bethanien Kinder- und Jugenddorfes in Schwalmtal, stellte im Plenum seine Antworten darauf vor und bezog sich dabei auf Ergebnisse der Evaluationsstudie erzieherischer Hilfen (EVAS). Laut dieser Studie wurden (lediglich) etwa 40 Prozent der evaluierten Heimmaßnahmen entsprechend der Hilfeplanung beendet. Während die planmäßig beendeten Hilfen positive Effekte aufwiesen, verzeichneten die abgebrochenen Hilfen nur geringe oder sogar negative Wirkungen. Um aus Erfolgen wie Misserfolgen zu lernen, forderte Dr. Esser eine systematische Katamnese, die die Perspektive ehemaliger Heimbewohner fokussiert. Dr. Esser ging in seinen Ausführungen auch der Frage nach: Was wirkt wie? Wirkfaktoren sind für ihn u.a.:

  • eine Bezugsperson als Ansprechpartner und Vertrauensperson für die Kinder,
  • ein qualitativ gutes pädagogisches und therapeutisches Angebot,
  • das Verständnis eines Kindes für den Grund seiner Unterbringung,
  • eine "langfristige Nachsorge" der ehemaligen Heimbewohner.

 

Dr. Klaus Esser, Bethanien Kinder- und Jugenddorf Schwalmtal:

Dr. Klaus Esser, Bethanien Kinder- und Jugenddorf Schwalmtal: "Wie verlassen Kinder das Heim? Welche Anschlusshilfen gibt es? Was wird aus den Kindern?"

Aufarbeitung der Geschichte - Was können wir aus Fehlern lernen?

Kaum ein pädagogisches Arbeitsfeld ist nicht nur so intensiv untersucht, sondern zugleich so kritisch analysiert worden wie die Heimerziehung, insbesondere die Zustände der öffentlichen Erziehung der 1950er und 1960er Jahre. Frau Prof. Dr. phil. habil. CAROLA KUHLMANN, Evangelische Fachhochschule Rheinland-Westfalen-Lippe Bochum, widmete sich in ihrem Fachvortrag der Frage: Was können wir aus der Vergangenheit lernen? Zentrale Befunde der Aufarbeitung der Heimerziehung der 50er/60er Jahre, aus denen die Praxis lernen sollte, und die hier nur in Thesenform wiedergegeben werden können, waren:

  • Es gibt eine Gefahr der Stigmatisierung durch Pathologisierung.
  • Geschlossene Systeme erzeugen Gewalt - auch unter den Heimbewohnern.
  • Keine Erlaubnis für Körperstrafen. Eindeutig uneindeutige Rechtslage führt zu "inoffiziellen" Regeln und Grenzüberschreitung.
  • Kette der Verantwortungslosigkeit - Probleme der Heimaufsicht über "freie" Liebestätigkeit.
  • Bedeutung der Leitung für die pädagogische Qualität.
  • Missbrauch thematisieren.

Als Fazit konstatierte Prof. Kuhlmann: Nicht "die" Heimerziehung war schlecht, sondern in konkreten Einrichtungen zu bestimmten Zeiten sind junge Menschen (teils massiv) geschädigt worden. Aus der Vergangenheit gilt es nun für die Heimerziehung von morgen die richtigen Konsequenzen abzuleiten. Für Prof. Kuhlmann sind die zentralen Folgerungen: "Verstehen kommt vor Erziehen!" und "Beziehung kommt vor Erziehung!" Im Ganzen heißt das: "Wir können aus den Fehlern der Vergangenheit lernen! Wir müssen es nur tun!"

 

Prof. Dr. Carola Kuhlmann, Evangelische Fachhochschule Rheinland-Westfalen-Lippe, Bochum:

Prof. Dr. Carola Kuhlmann, Evangelische Fachhochschule Rheinland-Westfalen-Lippe, Bochum: "Was können wir aus der Aufarbeitung der Heimerziehungspraxis in den 50-/60er Jahren lernen?"

"Kinder annehmen und verstehen" ist der Schlüssel zum Erfolg!

In der Abschlussdiskussion stand dann noch einmal die Ausgangsfrage dieser Tagung: "Wann ist Heimerziehung für Kinder erfolgreich?" im Mittelpunkt der Diskussion. Gesprächspartner waren neben den Referenten Prof. Dr. Schrapper, Dr. Heynen, Dr. Esser die Erzieherin Zuzana Plaskova vom GFB Heimverbund in der Märkischen Schweiz (Bollersdorf) und der Erzieher Steffen Schroedter vom Kinderhaus Berlin-Mark Brandenburg.
Als Diskussionseinstieg wurden die Ergebnisse der am ersten Arbeitstag durchgeführten Befragung der Tagungsteilnehmer/innen nach ihren wichtigsten Kriterien für eine gelingende Heimerziehung vorgestellt. Diese sind:

  1. Selbständiges, eigenverantwortliches Leben,
  2. Partizipation und Kooperation zwischen den Beteiligten, vor allem zwischen Erzieher/innen und Eltern,
  3. Positive, verlässliche Bindung zwischen Betreuer/innen und Kind,
  4. Heim als Zuhause erleben,
  5. Professionelles Handeln und qualifiziertes Personal.

Das Meinungsbild der Tagungsteilnehmer/innen regte eine lebhafte Diskussion an. Die wichtigste Botschaft war wohl: "Erziehungsziel ist die Vermittlung des Gefühls, angenommen und verstanden zu werden, nicht ein bestimmtes Verhalten." Das bedeutet, nicht (nur) vom "Werden" der Kinder, sondern (vor allem) vom "Sein" her zu denken. Zugleich gilt der Grundsatz, dass die Kinderinteressen Vorrang vor den Organisationsinteressen haben müssen, d.h. den Alltag für Kinder im Heim so zu gestalten, dass die Verwaltungsstrukturen nicht deutlich werden. Weitere zentrale Botschaften waren: "Lebensfrohe, engagierte, qualifizierte Fachkräfte" sind das "Kapital" einer gelingenden Heimerziehung. Ebenso bedarf es einer "vertrauensvollen, partizipativen und kooperativen Zusammenarbeit" mit allen beteiligten Akteuren - vor allem mit den Kindern und Jugendlichen sowie deren Eltern.

 

Maja Arlt und Kerstin Landua
Arbeitsgruppe Fachtagungen Jugendhilfe im Deutschen Institut für Urbanistik
Kontakt:

 

1 Aus dem Beitrag von Prof. Dr. Christian Schrapper

2 Aus dem Beitrag von Frau Käthe Brunner